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„Hau den Hut durch!“ 

Zuerst ein Durcheinander von Ästen, nach dem Schneiden soll man einen Hut durch die Baumkrone durchwerfen können. Beim Obstbaumschnittkurs an der Forstlichen Ausbildungsstätte Ossiach (FAST) des BFW lernt man, mit Säge und Baumschere umzugehen. 

Auf der Leiter: Christian Lackner 

Die Leiter wackelt etwas. Nochmals  runter, die Leiter näher zum Baum  schieben und eben einrichten. Und wieder rauf. Das wird den fünfzehn Teilnehmer:innen des Obstbaumschnittkurses 2023 noch öfters passieren. Manche interessieren sich hobbymäßig für Obstbäume, einige wenige aus der Gruppe arbeiten professionell in ihren Obstgärten und wollen ihr Wissen wieder nachschärfen.  

Josef Quendler leitet den Kurs, er war jahrelanger Mitarbeiter im Obst- und Weinbauzentrum St. Andrä im Lavanttal. Am Vormittag findet der Theorieteil im Seminarraum statt. Am meisten lerne man durch „Selberschneiden“, meint der Obstbaumeister, deshalb finde der Praxisteil am Nachmittag auch im Streuobstgarten der Ausbildungsstätte statt. Für das Schneiden brauche man das passende Werkzeug. Quendler: „Jetzt gehen wir nicht  Bäume zwicken, sondern schneiden.“ Er empfiehlt die Gartenschere einer speziellen Marke, da sich bei dieser Teile austauschen lassen, es gibt sie auch für Linkshänder. Und wenn sie stumpf ist, kann sie nachgeschärft werden.  

Achte auf den Mercedesstern 

Ein guter Ertrag beginnt bei der richtigen Auswahl der Obstbäume in der Baumschule. Quendler empfiehlt darauf zu achten, dass die Äste waagrecht wegstehen. Je mehr Feinwurzeln die Jungpflanze hat, desto besser wächst sie an. Bevor der Baum eingesetzt wird, ist der Pflanzschnitt durchzuführen. Dabei werden drei bis vier günstig stehende Leittriebe ausgewählt, die oberste Knospe muss nach außen stehen. Quendler: „Der Pflanzschnitt ist besonders wichtig, weil wenig Wurzelmasse vorhanden ist.“ Die Äste sollten nicht aus einem Punkt weggehen, gut verteilt sein, „wie bei einem Mercedes-Stern“. Nach der Pflanzung gilt es, den Baum vor Austrocknung, Wind und Wildverbiss (auch Wühlmäusen) zu schützen. Ziele des Baumschnitts Um regelmäßig hohe Erträge erzielen und qualitativ hochwertiges Obst erzeugen zu können, braucht es eine stabile Kronenform. Anna-Sophie Pirtscher, Leiterin der FAST Ossiach des BFW, stellte für den Verjüngungsschnitt Obstbäume zur Verfügung, die schon länger nicht mehr gepflegt wurden. Dieser zielt darauf ab, innen in der Krone auszulichten und die Leitäste einzukürzen. Das Ergebnis könnte sein, dass ein kleiner Hut durchgeworfen werden kann. Am Ende vom Schnitt soll der Baum wie ein Christbaum aussehen. In diesem Fall herrschen auch optimale Lichtverhältnisse im Baum. „Schaut er wie ein Cornetto aus, dann bilden sich Schattenfrüchte aus, die nicht gut schmecken. Ein Ziel ist es natürlich auch, möglichst wenig Schnittaufwand zu haben“, meint Quendler. „Nicht schneiden ist schlimmer, als zum falschen Zeitpunkt zu schneiden.“ 

In der Saftwaage  

Wie erreicht man einen gleichmäßigen Austrieb nach dem Anschneiden? Triebe, die gleich hoch ansetzen, müssen in gleicher Höhe geschnitten werden, damit sie gleich stark austrieben. Wird ein Ast tiefer angeschnitten, so wächst dieser deutlich schwächer aus. Man muss beim Schneiden also versuchen, den Baum in der „Saftwaage“ zu halten. Sofern ein Mitteltrieb vorhanden ist, wird dieser aufgrund der Spitzenförderung am höchsten angeschnitten. Ist das Verhältnis zwischen Krone und Wurzeln gestört oder wurde zu stark zurückgeschnitten, dann bilden sich aus den schlafenden Knospen so genannte Wasserreiser. Grund dafür ist, dass die Abnehmer für seinen Saft fehlen und sich daher diese ungewollten Triebe entwickeln. Die Teilnehmer:innen diskutierten bei jedem Obstbaum über den richtigen Rückschnitt, dann wurde meist Josef Quendler gefragt. Er gab die generelle Empfehlung, den Baum zu schneiden und ihn zu beobachten, weniger „Kosmetik” bei den dünneren Ästen zu betreiben, sondern sich um die dickeren Hauptäste zu kümmern. Von innen auslichten, ist seine Devise. „Vor den schwachen Trieben braucht ihr keine Angst haben.“ Nichts schwerer als das. Einen dicken Ast abzuschneiden, erfordert Mut. Auf der Leiter stehend, fehlt der Überblick über den Kronenraum. Und wenn man ehrlich ist, möchte man, auf der Leiter stehend, köstliche Äpfel und Birnen ernten. 

Kernaussagen  

• Schneiden regt das Wachstum an, Nichtschneiden fördert die Blütenknospenbildung.   

• Schneiden im Winter fördert das Wachstum, Schneiden im Sommer bremst das Wachstum.  

• Um einen gleichmäßigen Austrieb zu gewährleisten, sollten die Triebe auf gleicher Höhe angeschnitten werden, der Baum sollte in der Saftwaage gehalten werden. Jede Baumform erfordert eine Schnittstrategie. 

Schnittzeitpunkte  

Jänner bis Mitte Mai: Apfel, Birne, Zwetschke, Pfirsich  

Juni bis August: Kirschen  

Juli bis Ende August: Marille 

Die Teilnehmer bei der Entscheidung, welcher Ast wie geschnitten werden soll.

Nächste Kurse

Workshop: Veredelung von Obstbäumen am 18. April 2024
Professioneller Obstbaumschnitt für mehr Ertrag am 24. Oktober 2024