Technik trifft Natur: Wertvolle Daten von oben
Seit 2025 bietet die FAST Ossiach den EU-Drohnenführerschein an. Beim ersten Kurs im Frühjahr nutzten 15 Fachkräfte die Gelegenheit, ihre Arbeit um eine neue Perspektive zu erweitern.
Die fliegenden Helferlein sind längst mehr als ein Spielzeug für Technikbegeisterte. Ihre Einsatzmöglichkeiten im Forst sind so vielfältig, dass auch Dienstleistungen in diesem Bereich angeboten werden. Einer dieser Dienstleister ist „Drone Passion“ aus Niederösterreich. Die Firma von Patrick Esser steht hinter dem neuen Kurs der Forstlichen Ausbildungsstätte in Kärnten. Für Anna- Sophie Pirtscher, Leiterin der FAST, war es ein logischer Schritt, das Programm um dieses Angebot zu erweitern: „Der Einsatz von Drohnen im Wald nimmt immer mehr zu. Wir wollen sinnvolle, praxisnahe Kurse mit Bezug zu modernen Technologien anbieten, da liegt der Drohnenführerschein natürlich nahe.“ Jährlich sind zwei Kurse geplant – nähere Infos siehe Kurskalender.
An Praxisbezug mangelt es Patrick Esser jedenfalls nicht. Wenn er nicht gerade Erwachsenen das Fliegen beibringt, hilft er bei der Suche nach Borkenkäfernestern, fliegt Setzlinge an steile Hänge, bringt Saatgut in unzugänglichen Lagen aus, spürt Rehkitze im hohen Gras vor der Heuernte auf, erfasst Waldschäden, vermisst, kartiert und inspiziert alles, was das forstliche Herz begehrt.
Erste Flugmeter unter blauem Himmel
Am Anfang des Kurstages wird das Programm festgelegt: Am Vormittag Theorie, im Anschluss die Prüfung und nach dem Mittagessen die Praxis. Mit einem übersichtlich gestalteten, 80 Seiten starken Skript und einem engagierten Vortragenden, der das komplexe Thema mit viel Praxisbezug vermittelt, vergeht der Theorievormittag wie im Flug. Bei der anschließenden Online-Prüfung ist volle Konzentration gefragt: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen 40 Fragen aus einem Pool von 500 direkt über die Plattform der Austro Control beantworten. Wer mindestens 75 Prozent richtig hat, ist durch. Diesmal schaffen es erfreulicherweise alle Kursteilnehmer:innen.
Für den Einstieg ins praktische Fliegen finden sich die drei Frauen und zwölf Männer unter dem blauen Frühlingshimmel vor der perfekten Kulisse des Ossiacher Sees ein. Ein Viereck und einen Achter gilt es nun zu fliegen. Was zunächst kompliziert klingt, entpuppt sich als gut machbar – die Steuerung der Drohne ist erstaunlich intuitiv und leicht zu erlernen.
Männerspielzeuge und Spaßfaktor
Jägerin Elisabeth, die nach dem Motto „Ladies first“ als Erste fliegen darf, hat sichtlich Spaß dabei und jubelt: „Das ist wirklich lustig“. Nächster an der Reihe ist Waldbesitzer Joachim aus dem unwettergeplagtem oberen Drautal. Er will seine neu erworbene Fähigkeit für die Kontrolle nach Starkwetterereignissen einsetzen. „Wie heißt es so schön? Die Spielzeuge der Männer werden nicht weniger, nur teurer“, witzelt Martin und gibt die Fernsteuerung mit einem Schmunzeln an Mirjam, die in Innsbruck in der Fernerkundung arbeitet, weiter. Nachdem alle die Manöver bewältigt haben, hat Patrick noch Tipps für die Auswahl der passenden Drohne parat. Am Ende des Tages steht fest: Wer mit der Drohne fliegt, sieht den Wald nicht mehr nur vor lauter Bäumen – sondern mit ganz neuen Augen.